Freitagabend war ich zur Premiere des „Lebanese Film Festival“ in Beirut eingeladen.

Im ‚Metropol Empire Sofil’ kamen an dem Abend zum elften Mal die Macher der unabhängigen Filmszene Libanons zusammen, um Kurzfilme aus und über den Libanon zu feiern. Das Ziel des Filmfestivals ist es, libanesisches Kino zu fördern. Eingeladen hatte uns Akram Zaatari, libanesischer Filmemacher, Fotograf, Kurator und Künstler, der unter anderem an der dOCUMENTA13 in Kassel teilnahm. http://d13.documenta.de/de/#/participants/participants/akram-zaatari/

Das Filmfestival wurde mit seinem Kurzfilm „Letters to a refusing pilot“ eröffnet. Der Film porträtiert eine öffentliche Schule in Saida und ist eine Rekonstruktion von Kindheitserinnerungen. Akram Zaatari verbrachte als Kind fast alle seine Wochenenden im Garten der Jungenschule, die von seinem Vater gegründet worden war und geleitet wurde. Der Film zollt aber vor allem der Handlung eines israelischen Piloten Tribut, der sich während der israelischen Invasion des Libanons 1982 weigerte, die Schule wie befohlen zu bombardieren. Er detonierte die Bombe stattdessen über dem Meer. Wenig später wurde die Schule dann von einem anderen israelischen Piloten zerstört. Der Film schwankt zwischen Dokumentation, Fiktion und Essay, wobei Akram Zaatari unter anderem mit Montagen arbeitet und auch persönliche Erinnerungen und Fotos aus dem Familienalbum einfließen lässt. Vor allem die Tonaufnahmen der Bombenangriffe sind eindrückliche Dokumente des Krieges, die mich die Angst und den Terror, den die Bewohner Saidas damals erleben mussten, mitfühlen lässt. Leider ziehen sich die 34 Minuten Film vor allem zu Beginn der Dokumentation sehr in die Länge, wo Zaatari sich in einer Art Essay an die Schule und das eigentliche Thema heranarbeitet. Applaus gab es am Ende trotzdem reichlich für den Film.

Gefolgt wurde „Letter to a refusing pilot“ von der 15-minütigen Dokumentation „Honeymoon 58“ von Hady Zaccak, ebenso wie „Letter…“ eine Dokumentation die politische Ereignisse aus der libanesischen Geschichte mit persönlichen Erinnerungen vermengt. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die bildhübsch Tango-Königin der Stadt und von Männern umschwärmt wird. Doch sie verliebt sich in ihren Chef, der seine Sekretärin 1958 zu seiner Frau macht, während das Land in einem längst vergessenen, blutigen Bürgerkrieg versinkt. Die Bilder der Hochzeitsreise nach Italien vermengen sich mit journalistischen Aufnahmen der Aufstände. Das Paar kehrt nach seiner Reise in ein verwundetes Land zurück. Der Film endet 1975, als das Paar Italien ein weiteres Mal besucht, und der Libanon wieder in einen blutigen Krieg eintaucht. Doch diese Mal wird der Bürgerkrieg Jahrzehnte andauern und das Land zutiefst spalten. Der Film ist daher auch eine Warnung, Geschichte niemals zu vergessen und aus ihr zu lernen. Für mich eine sehr eindrückliche Dokumentation, die noch nachhallt.

„Studio Beirut“ von Mokhtar Beyrouth erzählt die Geschichte von Toufik, einem jungen Fotografen, der das Studio Beirut von seinem Großvater erbt. Sein Geschäft steht vor dem Aus, als der Bürgermeister den ersten Fotoautomaten der Stadt neben seinem Fotogeschäft eröffnet. Der 15-minütige Film hat keinen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Außer den poppigen Farben hat mich nichts an der Geschichte, der Umsetzung und den Schauspielern beeindruckt. Der letzte Film des Premierenabends hat mich aber wieder versöhnt. „Mondial 2010“ von Roy Dib vermittelt den Eindruck einer Dokumentation, dabei ist der Stoff Fiktion. Es ist ein Film über Liebe und Orte. Ein junges, schwules Paar geht auf einen Roadtrip von Beirut nach Ramallah. Die gesamte Reise wird von ihnen mit der Handkamera aufgenommen. Zu sehen sind die Protagonisten im Laufe der 19 Minuten nie, nur ihre Freunde und Bekannten sowie die Stadt, in die sie reisen, sind zu sehen. Trotzdem kommt man dem Paar durch ihre Gespräche unglaublich nah, erlebt ihre Gefühle, die Liebe, ihr Verlangen, die Angst entdeckt zu werden und die Beklemmung, die beim Filmer während der Reise immer stärker wird. Was ihn bedrückt kann er nicht in Worte fassen, aber sein Schweigen sagt mehr als tausend Worte.

http://www.lebanesefilmfestival.org/beirut-cinema/

 

 

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