Einen Monat lang haben Muslime auf der ganzen Welt während des Ramadans von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet. Das Ende des Ramadan wurde vor kurzem mit dem kleinen Fest, Eid al-Fitr genannt, begangen. Essentiell für diese Festtage ist natürlich – genau wie bei uns zu Weihnachten – das Essen. Die Familien kommen zusammen und feiern mit üppigen Mahlen das Ende ihres Fastenmonats. Ein Tisch, der sich nicht von der Last der aufgetischten Leckereien biegt, ist kein vollständig gedeckter Tisch. Etwas, was unbedingt zum Fest dazu gehört sind die Süßigkeiten und hier ganz besonders ein Keks namens Kahk. Dieser Keks, der vom Geschmack ein klein wenig an Vanillekipferl erinnert, soll schon von den Pharaonen gegessen worden sein. Sogar in ihren Gräbern haben die Pharaonen dieses Gebäck als Wandmalerei verewigen lassen. Die Kekse sind rund, was die Form der Sonne symbolisiert. Über die Jahrtausende hat sich an der Form nicht viel geändert, aber abhängig von Region und Familientradition hat jeder sein eigenes Geheimnis wie die Kahk am besten zubereitet werden. Manche reichen sie ungefüllt, andere bevorzugen eine Füllung mit Pistazien oder wahlweise mit Dattelmus. Eine Zutat darf nie fehlen: sehr viel Butter. In Ägypten, Libanon und Marokko wird meist Rosenwasser zum Teig gegeben, in Syrien hingegen lieber Orangenblütenwasser, was das ganze zu einer besonderen Spezialität werden lässt. Meine Mutter bekam mal vor vielen Jahren ein solches „geheimes“ Familienrezept von einer Cousine meines Vaters. Zurück zu Hause wollte sie es gleich ausprobieren. Obwohl sie alle Regeln befolgt hat, wurden aus den sonst im Mund zerfließenden Köstlichkeiten gefährlich harte Wurfgeschosse, mit denen man leicht ein Loch in die Wand hätte schlagen können. Ich erinnere mich noch gut an die Frustration meiner Mutter, die ewig Teig geknetet hatte. Wer das Backen lieber den Profis überlässt, sollte früh genug vor dem Fest bei der Konditorei seines Vertrauens vorbestellen, denn zum Fest selber kommt man an die Delikatesse dann kaum mehr heran. Schon Tage vorher stapeln sich bei „Koueidar Mandarin“, dem besten Bäcker Kairos, die Platten mit den in Puderzucker getauchten Keksen. In der Bäckerei ist kein Vorankommen, die Männer hinter dem Tresen wiegen Kilo um Kilo Süßwaren ab und am hinteren Ende des Ladens werden sie meisterlich zu festen Paketen geschnürt. Die Konditorei wird in diesen Tagen zum Fließbandbetrieb. Dem wohl-riechendstem der ganzen Stadt.

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