Die Weisheit der Sufis

„This world is like a snowy mountain that echoes your voice. Whatever you speak, good or evil, will somehow come back to you. Therefore, if there is someone who harbours ill thoughts about you, saying similarly bad things about him will only make matters worse. You will be locked in a vicious circle of malevolent energy. Instead for forty days and nights say and think nice things about that person. Everything will be different at the end of forty days, because you will be different inside“.

From „The Fourty Rules of Love“ by Elif Shafak, Penguin Books, Page 211

Was für ein Gedanke: „Die Welt ist wie ein schneebedeckter Berg der Deine Stimme wiedergibt.“ 40 Tage lang kein böses Wort denken oder aussprechen, nicht schwatzen und lästern, denn alles kommt zu Dir zurück. Gut oder Böse, der Berg macht da keinen Unterschied. Doch die Energie, die Dich erreicht, wird Dich verändern. Zum Guten oder Bösen. Ich gebe zu, wie wahrscheinlich die meisten Menschen lästere auch ich viel zu oft, auch wenn ich es eigentlich gar nicht will. Wahrscheinlich habe ich einfach viel zu wenig Toleranz für die Andersartigkeit meiner Mitmenschen, bin viel zu schnell ungeduldig und arbeite immer noch hart an meinem inneren Frieden und der Weisheit der Sufi-Philosophen die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind und allen, gerade denen, die einem Böses wollen, mit Liebe zu begegnen.

Ich habe mich also ertappt gefühlt beim Lesen dieser Regel. Aber nicht nur bei dieser. Elif Shafak schafft es in ihrem Roman „Die 40 Regeln der Liebe“ immer wieder, dem Leser den Spiegel vorzuhalten und das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. In der folgenden Regel spricht sie zum Beispiel von der eben angesprochenen Toleranz gegenüber Anderen:

„We are all created in His image, and yet we were each created different and unique. No two people are alike. No two hearts beat to the same rhythm. If God had wanted everyone to be the same, He would have made it so. Therefore, disrespecting differences and imposing your thoughts on others is tantamount to disrespecting God’s holy scheme.“

From „The Fourty Rules of Love“ by Elif Shafak, Penguin Books, Page 140

Womit wir auch gleich wieder bei der Politik wären. Denn natürlich haben die meisten Konflikte in dieser Welt genau dort ihren Ursprung, bei der Intoleranz. Wir sind immer dann tolerant, wenn unsere eigenen Meinungen und Werte respektiert werden. Denkt, handelt oder sieht jemand anders aus als wir, so wird er oder sie als Gefahr wahrgenommen. Sei es in unserem eigenen Leben oder in der großen Politik, das Grundproblem ist immer das gleiche. Es ist die Angst vor Andersartigkeit, vor anderen Wertesystemen, vor der nicht vorhandenen einzigen Wahrheit, unserer Wahrheit, die uns intolerant und abweisend werden lässt. Gegenüber Minderheiten jeder Art, anderen Religionen und Ethnien. Das Leid dieser Welt kann nur durch Liebe, Verständnis und Toleranz geheilt werden. Wie der Protagonist des Romans Schams von Tabriz in den „40 Regeln der Liebe“ sagt: Himmel und Hölle existieren auf Erden, wir müssen es nur begreifen und dementsprechend handeln.

„Hell is in the here and now. So is heaven. Quit worrying about hell or dreaming about heaven, as they are both present inside this very moment. Every time we fall in love, we ascend to heaven. Every time we hate, envy, or fight someone, we tumble straight into the fires of hell“.

From „The Fourty Rules of Love“ by Elif Shafak, Penguin Books, Page 182

 

 

Die Liebe und die Mystik des Sufismus

Lese gerade ‚The Fourty Rules of Love‘ von Elif Shafak. Es geht um Ella, eine knapp 40-jährige Hausfrau und Mutter, die eigentlich glaubt, glücklich zu sein. Sie lebt in einem schönen Haus, hat drei gesunde Kinder, einen liebevollen Ehemann und seit kurzem sogar einen neuen Job in einer Literaturagentur. Doch in ihrem Herzen hat sich eine Leere breit gemacht, die früher einmal mit LIebe gefüllt war. An die tiefe, romantische Liebe glaubt sie schon lange nicht mehr. Um ihrem persönlichen Frust zu entkommen, vertieft sie sich in einen Roman über den Sufi-Dichter und Mystiker Rumi, den sie als Gutachterin für die Literaturagentur lesen soll. Obwohl der Roman im 13. Jahrhundert angesiedelt ist, scheint der Roman immer mehr auch eine Spiegelung ihrer eigenen Geschichte zu sein. Gleichzeitig ist der Roman auch eine Spiegelung der heutigen Situation im Nahen Osten. Schon auf Seite 15 (der englischen Fassung von Penguin Books, die ich lese) steht:

„In many ways the twenty-first century is not that different from the thirteenth century. Both will be recorded in history as times of unprecedented religious clashes, cultural misunderstandings, and a general sense of insecurity and fear of the Other. At times like these, the need for love is greater than ever.“

Und so ist das Buch nicht nur ein Lobgesang auf die Liebe und die Mystik des Sufismus, sondern besitzt auch eine politische Dimension, die sich kritisch mit unserer heutigen Zeit auseinandersetzt. Deshalb werde ich während der Lektüre auch immer wieder auf „Die 40 Regeln der Liebe“ zurückkommen und aus diesem Buch zitieren.

by Elif Shafak
by Elif Shafak